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52. 25.-27. April, Tag 26-28

Sind heute in Big Bear angekommen, nachfolgend die Berichte der letzten drei Tage.


25. April, Tag 26, km 360-378

Nasse Füße


Der 25. April fing mit einer schönen, leichten, 4km-langen "Wanderung" an, die zum Mission Creek führte. Natürlich haben wir dort Pause gemacht, einiges gewaschen und selber ein Bad genommen. Eine willkommene Abkühlung bei einer Temperatur von über 30 Grad. Außerdem eine Zwischenmahlzeit eingenommen, Clif Bars, hoch kalorische Riegel, die Power geben (sollen).


Doch dann fing eine wahre Tortur an: Der Weg hangelte sich über 15 km am Fluss entlang, der dutzende Male gefurtet werden musste. Anfänglich haben wir versucht, mit trockenen Schuhen rüber zu kommen, was aber selten möglich war. Und das An- und Ausziehen der Schuhe hat einfach zu lange gedauert. Wir haben sie dann irgendwann einfach angelassen und sind mit Schuhen durchs Wasser gegangen - angenehm für die Füße, schlecht für die Schuhe. Doch das war nicht mal das Schlimmste: Nach einigem Furten musste der Trail wiedergefunden werden, was sich bei dem breiten und unzugänglichen Flussbett teils als schwer herausstellte. Dabei ging's über die 15 km noch bergauf, von 954 auf 1790m! Wir haben um jeden einzelnen Kilometer gekämpft, das war schon ätzend! Von diesem Wasserwaten gibt es zwar Videoclips aber leider keine Bilder.


Irgendwann verlief der Trail dann direkt im trockenen, sandigen, geröll-, baumstamm- und astreichen Flussbett. Am späten Nachmittag haben wir an einer schattigen Stelle mitten im Flussbett gekocht, um zu Kräften zu kommen. Um noch einige Kilometer zu machen, sind wir am Abend nach Sonnenuntergang noch zwei Stunden in der Dunkelheit gelaufen und haben schließlich einen Platz zum Cowboycamping gefunden - zum Zelt aufbauen hatten wir keine Lust mehr und das erste Freiluftcamping einen Tag zuvor hatte uns super gut gefallen.



26. April, Tag 27, km 378-400

Der Anstieg


Das Furten des Mission Creek hatte am nächsten Tag zwar ein Ende, nun stand dafür ein weiterer, heftiger Anstieg an: es ging von 1790 auf 2665 m hoch. Wir haben dabei die San Gorgonio Wilderness verlassen und den San Bernardino Forest erreicht. Zu allem Überfluss wurde Sabine mittags von einer Wildbiene auf die Nasenwurzel, direkt zwischen die Augen gestochen. So musste es sich anfühlen, wenn man Botox gespritzt bekommt: Kurzfristig war es nicht möglich, die Augenbrauen zusammen zu ziehen. Nach Kühlung mit nassem Tuch ging es wieder.


Nachmittags trafen wir an der letzten Wasserstelle für die nächsten 28 km Umberto aus Mexiko. Er ist als 15-jähriger zusammen mit seiner Schwester illegal in die USA gekommen auf der Suche nach einem besseren Leben. Inzwischen ist er amerikanischer Staatsbürger und 55 Jahre alt, war in der Education tätig und ist nach über 30 Berufsjahren in Rente. Auf die Frage, was vom PCT bleibt, antwortet er spontan: "Memories". Weiter ging's in der abendlichen Sonne. Seit einigen Tagen fügen wir übrigens unserem Wasser Electrolyte und Pulver in diversen Geschmacksrichtungen zu.


Am Abend trafen wir am Coon Creek Cabin, eine etwas verfallene Ansammlung von einigen Berghütten, Thomas mit seinen Freunden wieder, ebenso Jaqueline und ihren Freund Matthias. Sie hatten es sich innen am brennenden Kamin für die Nacht gemütlich gemacht hatten. Thomas erzählte von ihrem neuen Plan, sich am nächsten Tag nach nur 6 km per Anhalter nach Big Bear fahren zu lassen, was bedeutet, dass 22 km ausgelassen werden. Wir wollen nichts auslassen und am nächsten Tag die ganzen 28 km laufen. Sind dann noch etwa 3 km weiter gegangen, haben tolle Fotos vom Sonnenuntergang gemacht und einen schönen Platz fürs Cowboycamping gefunden. Gekocht haben wir auch noch, es gab asiatische Nudelsuppe (Soja-Beef-Geschmack). In 2.665 m Höhe, bei 4 Grad Celsius. Gefroren haben wir trotzdem nicht. Es ist ein tolles Gefühl, direkt unter dem Sternenhimmel einzuschlafen und den neuen Tag unmittelbar zu erfahren.



27. April, Tag 28, km 400-428

Viele Meilen nach Big Bear


Heute haben wir die längste Strecke bislang bewältigt, 28 km. Wir wollten unbedingt an diesem Samstag Big Bear erreichen. Allerdings ging's insgesamt bergab, von 2665 auf 2.083 m. Haben es geschafft, recht früh loszukommen und konnten gegen 12:30 Uhr bereits auf 13 geschaffte Kilometer zurückblicken. Haben mittags am Arrastre Trail Camp Pause gemacht und oh, welch Freude, dort Mike "Downhill" wieder getroffen. Er hatte den zweiten Schneepart im Jacinto-Gebirge ausgelassen, war bei der Saddle Junction ein zweites Mal nach Idyllwild gegangen und hatte sich nach einer weiteren Nacht dort von Trailangel Grumpy zu einem späteren Wiedereinstieg fahren lassen. Nach ausgiebigem Austausch ging Mike weiter und wir kochten Kartoffelbrei mit Käse- und Salamistückchen, Nachtisch: Schokorosinen. Damit waren unsere Einkäufe für acht Tage fast aufgebraucht! Unseren Wasservorrat füllten wir am Creek wieder auf (hatten uns das Wasser bis hierhin gut eingeteilt), nahmen ein Fußbad und ruhten bis 14 Uhr aus.


Unterwegs trafen wir auf einen sehr skurilen verlassenen privaten Zoo, in dem wilde Tiere für das amerikanische Fernsehen und Kino trainiert wurden. Kaum zu glauben, dass in den kleinen Käfigen Grizzlys, Löwen und Tiger gehalten wurden.


Auf der folgenden Strecke lagen noch zwei besondere Meilensteine: Für alle Europäer legten wir die 400-km-Marke 😀. Später folgte die 10%-Marke (427,9 km von 4279 km sind schon mal geschafft).


7 km vor Big Bear hatten wir kurz Netz um unsere Übernachtung zu organisieren. Big Bear ist ziemlich teuer, aber wir konnten für zwei Nächte noch etwas recht günstiges, im Embers Lodge and Cabins, für 79 Dollar (pro Nacht) finden. Macht einen weiteren Zeroday. Gegen 19 Uhr haben wir dann den Parkplatz erreicht von dem aus man per Anhalter nach Big Bear kommt. Direkt vor dem Parkplatz erwarteten uns Erfrischungsgetränke, gespendet u.a. vom Grizzly Manor Cafe. Einfach toll, diese Unterstützung! Werden dort auf jeden Fall frühstücken gehen. Innerhalb von 5 Min. hatten wir eine Mitfahrgelegenheit: Ryan, der in Big Bear wohnt, nahm uns mit und fuhr uns bis zur Lodge. Ryan arbeitet im Umweltmanagement in der Mojave-Desert ("Clean air ist everybody's business"). Außerdem engagiert er sich für den PCT (hat mit seiner Frau ein paar Meilen adoptiert) und hilft Hikern, wo er kann.


Sind dann grad noch rechtzeitig im nepalesisch-indischen Restaurant Himalayan, dass das beste in Kalifornien sein soll, angekommen und haben ganz toll gegessen. War ein Tipp von Ryan. Nach dem Essen, quasi vor der Türe, eine indische Familie kennengelernt, die im Restaurant hinter uns gesessen hatte. Ein wunderbarer kultureller Austausch. Wurden von Familienvater Googandeep, was soviel wie Himmel-Insel bedeutet (nennt sich hier aber George) noch auf einen Absacker im Whiskey Dave's eingeladen. Als er gegangen war, haben wir noch getanzt. Dann noch in der Lodge bis 3:45 Uhr am Blog geschrieben.