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75) 28. Mai: Unverhofft!

28. Mai, Tag 60, km 884

Distanz zu Kennedy Meadows, dem Tor zur Sierra: 231 km

 

Haben heute das Desert Inn gegen 12:30 Uhr verlassen. Nach dem wortreichen Abschied von dem netten indischen Ehepaar noch ein Selfie von uns allen gemacht und uns dann beeilt, noch rechtzeitig zur Post zu kommen (machte um 13 Uhr zu). Haben es gerade so geschafft, ebenso den Bus nach Tehachapi, rennend mit vollem Rucksack und den Päckchen mit neuer Kamera und Ersatzteilen für Ollis Trekkingpoles unterm Arm. An der Bushaltestelle lernten wir Marie kennen, eine Französin, Biologin aus dem Département Ardèche, die gerade an einem Forschungsprojekt in den USA mitarbeitet und im Moment zwei Wochen Campingurlaub mit ihren beiden Kindern, Olivier und Ondine, macht. Kurz bevor der Bus kam, ließ es sich Blackfoot, ursprünglich aus Nürnberg, nicht nehmen, uns anzusprechen und ein paar Worte auf Deutsch mit uns zu wechseln. Er wird an Weihnachten den Weihnachtsmann in Tehachapi geben. Dann DIE Überraschung schlechthin: Im Bus konnte man NICHT mit Kreditkarte bezahlen. Eine Fahrkarte 3 Dollar. Wir hatten hatten aber nur noch einmal 3 Bugs, weil wir dem netten indischen Ehepaar Tip gegeben hatten. Marie hat nicht mit der Wimper gezuckt und und sofort die zweite Fahrkarte bezahlt. Im Bus hatten wir ein schönes Englisch-Frsnzösisch-Deutsches Gespräch über ihre Forschungsarbeit, Nahrung beim Campen u.a.

 

In der German Bakery nahm Sabine zuerst ihre verlorenen Trekkingpoles in Empfang. Danach gab's Frühstück und wir diskutierten, ob wir nicht doch nochmal versuchen sollten, einen Mac für die Überspielung der zweiten Festplatte aufzutreiben. Sabines Daten konnten wir ja in Wrightwood überspielen und die Backups nach New York und Stuttgart schicken. Ollis Festplatte wurde bis dato von keinem Computer erkannt. Zwei Ehepaare (Ron und Carol, Gary und Patricia) am Nachbartisch sprachen uns in dem Augenblick an und fragten uns, ob wir Hiker wären. Wir fragten postwendend, ob sie zufällig jemanden im Ort wüssten, der einen Macintosh besäße. Ron sagte, er hätte was zu Hause. Uns war klar, dass die Überspielung viele Stunden dauern würde und es auf eine Übernachtung in Tehachapi hinauslaufen würde. Ron fielen noch einige Alternativen im Ort ein. Gary, der Schwager von Ron bot an, Olli zu den entsprechenden Offices zu fahren. Doch letztlich konnte keiner helfen.

 

So wurden wir von Ron und Carol eingeladen, mit ihnen nach Hause mitzukommen (sie wohnen etwa eine halbe Stunde von Tehachapi entfernt in einer ruhigen guarded community) und unser Glück an Rons MacBook zu versuchen. Übernachtung inbegriffen. Gary und Patricia aus San Diego waren zu Besuch und sie alle waren mit einem Auto nach Tehachapi gefahren. Auf nicht ganz legale Weise konnten wir alle im Auto unterkommen und wenig später fanden wir uns plötzlich ganz woanders wieder, in Bear Valley Springs. Auf den Weg dorthin konnten wir noch kurz im Big Five die neuen Trekkingpols von Sabine zurückgeben und vom erstatteten Geld kaufte Olli neue Crocs. Also, war alles wieder auf Anfang und einem Weiterhiken gewogen. Unglaublich, wie offen und hilfsbereit die Amerikaner sind! Ron ist ein pensionierter Informatiker, besitzt ein recht aktuelles MacBook. Und tatsächlich: es funktionierte! Einige Stunden später war die Festplatte endlich auf zwei anderen gesichert. Wir erlebten einen tollen gemeinsamen Abend, völlig überraschend und ganz ganz woanders. Nach einem  Essen mit selbstgemachter Gemüsesuppe und Salat, Kölsch und Warsteiner!!!, Tortillachip mit Guacamoles, selbstgemachter Peach-Pie mit Vanille-, Schoko- und Minteis folgten Gespräche über Natur, Politik, Musik, unsere Filme und Projekte. Olli gab ein paar Kostproben seiner Kompositionen über seine Website, ne kleine Lautsprecherbox wurde über Bluetooth verbunden. Musik aus Sabines Film "Die Liebe, mein Schatz, ist bodenlos" über die jüdische Malerin Charlotte Salomon beeindruckte in ihrer orchestralen Komplexität (Filmorchester Babelsberg). Bei der Komposition "Changes in Motion", die Olli zum 20. Geburtstag von Tochter Zarah geschrieben hatte, lehnten sich die Anwesenden genießend und ergriffen in der tiefen Ledergarnitur zurück. Gary und Pat haben ihre 26 Jahre alte Tochter vor mehr als vierzehn Jahren unter nicht ganz geklärten Umständen verloren. Alleine dieser Abend wäre einen extra Blogeintrag wert.

Als alle im Bett waren, hat Sabine noch ein paar liegen gebliebene "Verwaltungsdinge" am Mac erledigt. Am Mac ist sie wahnsinnig schnell ...

 

Morgen gehen die Festplatten endlich auf die Post!