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117) Nachtrag zu Stehekin (Blogeintrag 112)

20.-21. August


Die Etappe nach Stehekin war essenstechnisch die härteste, da wir in Stevens Pass kaum Resupply'en konnten und aufgrund des Todes von Sabines Tante und dem nahenden Todestag ihrer Mutter keine Muße hatten, in die nächste größere Stadt zu fahren. Zum Glück gab es noch einige Dinge aus der Hikerbox und auch einige Englisch Muffins, die wir vom Hostel mit auf den Weg bekamen, die paar unverschämt teuren Dinge, die wir im Shop der Granite Peaks Lodge eingekauft hatten und Bars, die wir von Steve und Mary geschenkt bekamen (Stefan und Marion aus der Nähe von Mannheim, die wegen Fußproblemen von Marion erst mal pausierten und Zeit hatten, woanders günstiger nachzukaufen). Trotzdem wurde das Einteilen sehr hart und das Essen sehr knapp. So ernährten wir uns auch immer wieder von nicht enden wollenden Blue- und Salmonberries. Am Tag vor Stehekin ging uns dann das Essen aus. Da fand Olli am Wegesrand an einer Holzmarkierung abgelegt doch tatsächlich ein Foodbag mit einem kompletten Menü: Polenta und luftdicht verpackte Schinkenwurst (Spam)! Hatte dort wohl jemand vergessen oder bewusst für Hungernde stehenlassen ;-) Ein Geschenk, the trail provides.

Das gab am Abend ein richtiges Festmahl! Die Schinkenwurst hat Sabine angebraten und auf die zuvor in Brühe gekochte Polenta gelegt. So einen vollen Pot hatten wir schon lange nicht mehr 😊.


In Stehekin sind wir am Trailhead um 9.15 Uhr (wir waren die letzten Kilometer ab 6.30 Uhr gelaufen) mit dem Red Bus direkt zur Bakery gefahren und haben dort zwei Stunden lang gute Dinge wie Bisquit & Gravy, deren berühmte Cinnemon Rolls, Kaffee, Pies und Sandwiches zu uns genommen. Konnten nur eine Nacht in der Lodge bleiben (war nichts mehr frei), auf den Campground hatten wir keine Lust. Haben dort einige alte Bekannte wiedergetroffen: Snake Eyes aus Deutschland, die wir zu Anfang interviewt hatten und die durch die Sierra war, sich jetzt aber Nordkalifornien sparte, was sie selbst amüsierte, und nur noch auf Zuhause freute, die Schwestern Ivy und Jazz aus Wales mit Puppe Daryl, Femke aus Holland, Pipi Longhair, Dan und DJ. Tolle Gespräche hatten wir auch mit Mr. Clean aus Vietnam und seiner Hikerpartnerin Ranger (Trailname), die uns einige ihrer Essensvorräte schenkte. Von Dan und DJ bekamen wir das gesamte Restfood, da beide in Stehekin aufhören wollten. Ein Highlight war das Interview mit Steve, einem Hiker, der den PCT vor 40 Jahren gelaufen war. Es hätte sich vor allem das Gewicht der Ausrüstung verändert 😅 und der Spirit, mit dem man losging.


Nach einem Bad im erfrischenden See bei 17 Grad Celsius verbrachten wir den Abend zum Teil auf deren Cabin-Veranda bei Gin, Rum, Rotwein und Oliven, bevor sie schlafen gingen und wir einen Tisch im Restaurant hatten. Dan kannte die dortige Lodgemanagerin (frühere Arbeitskollegin) und durfte ihr Auto ausleihen, mit dem man freilich nur die eine Straße zwischen Bakery, The Garden und Hafen entlang fahren konnte. Damit sind wir am nächsten Tag dann zusammen zur Bakery gefahren, wo wir auf den Geburtstag von DJ angestoßen haben, samt Torte. Haben dann noch The Garden besucht, ein organisch, biologischer Gemüse- und Obstgarten, seit 40 Jahren von Karl Gaskill betrieben. Goat Cheese, Obst und ein Joghurt gekauft. Sue und Norman, die in Stuttgart in den Robinson Barracks als Zahnarzt und Nurse gearbeitet hatten, hatten The Garden ja empfohlen. Wer in Stehekin lebt und arbeitet, lebt und arbeitet hier aus Überzeugung. Wie Meagan, die wir kurz vor Stehekin auf ihrem 3-Tages-Loop getroffen hatten und die in der Bakery arbeitet. Sie war nach ihrem PCT 2016 auf Stehekin aufmerksam geworden und wohnte und arbeitete nun eine Weile hier.


Da das gesamte Internet für Besucher nicht funktionierte, durfte Sabine schließlich ihre Nachrichten bezgl. der Beerdigung ihrer Tante auf einem Government-Rechner im Golden West Visitor Center abrufen. Nach kurzer Überzeugungsarbeit ließ man sie gewähren. So wusste sie, bis wann sie einen Textbeitrag schicken konnte. Die Bestattung sollte am 6.9. um 12 Uhr in Berlin stattfinden. Genug Zeit, um wieder an Netz zu kommen. Dass Sabine im Visitor Center fragte, hatten wir auch Rangerin Barbara Schwarz zu verdanken. Wir hatten sie am Vortag kennen gelernt und uns lange ausgetauscht. Sie war in der Schweiz, Nähe Thun, aufgewachsen, hatte dort das Bäckerhandwerk gelernt und war nun in dieser Wilderness Rangerin. Hatte außerdem den Health Coach in der Tasche. Hier in den USA backte sie ihr Brot nach wie vor selbst 😁.

Von ihr erfuhren wir auch, dass die Sobo Bubble vor 3 Wochen durch war, bis noch vor einer Woche sei's voller gewesen, auch durch die ganzen Flipper, die dann teilweise unvorbereitet auf Washingtons Steigungen und Herausforderung trafen und nach Verletzungen aufhören.


Die winzige Poststelle wurde von Jonathan, der eine Augenklappe trug und von allen Pirat genannt wurde, betreut. Er wohnte im gleichen kleinen Gebäude und hörte den ganzen Tag Jazz-Musik. Leider tauchte unser Päckchen von Amazon mit neuen SD-Karten nicht auf. Nachforschen war nicht möglich, da kein Internet. Konnten die Sache erst in Winthrop klären.


Dan und DJ setzten Sabine am Trailhead ab und Olli fuhr wieder mit zurück, da Jonathan von der Post versprochen hatte, weiter nach dem Päckchen mit den SD-Karten zu suchen, es waren neue Säcke mit Post mit dem Schiff angekommen ... Olli kam abends mit dem letzten Red Bus zurück zum Trailhead - Dan hatte das Auto wieder  abgeben müssen - ohne Päckchen.


Mit genügend Essen in den Rucksäcken ging's los. Dan und DJ sei Dank! Und den dortigen prall gefüllten Hikerboxen.