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122) 30.9-6.10: South Lake Tahoe

30. September - 6. Oktober, Tag 184-190
PCT-km: 1755, gelaufen: 3251 km


Sind heute vom Trailhead per Hitchhiking von Gail nach South Lake Tahoe gefahren worden und haben damit die Sierra Nevada geschafft. Nun warten auf uns noch 600 Meilen, die durch Nord Kalifornien nach Ashland, das auf Oregon-Seite an der Grenze zu Kalifornien liegt, führen. Dafür brauchen wir voraussichtlich 4 Wochen. Wenn das Wetter gut bleibt, kann Sabine in der zweiten Novemberwoche finishen. Olli wird Mitte/Ende Oktober nach Deutschland zurück fliegen müssen. Die Arbeit ruft ...


Doch von vorne:

Am 30. September wurde um die Mittagszeit die Passstraße vom Kennedy Meadows Resort zum Trailhead wieder freigegeben. Die Straße war vom Schnee befreit worden und konnte wieder befahren werden. Der dadurch erzwungene längere Aufenthalt im Resort war wunderbar, haben nette Menschen kennengelernt und tolle Interviews, u.a. mit dem Eigentümer Matt geführt. Und super lecker und viel gegessen ... Und dort leider auch mal wieder viel Geld gelassen, obwohl wir dieses Mal nur in einem günstigeren Dorm (Mehrbettzimmer, das wir zum Glück für uns alleine hatten) und nicht in einer Cabin übernachtet haben.


Der Schneesturm hatte ganz schön gewütet, oberhalb 2800m war alles weiß - und wir mussten an dem Tag noch auf 3200m hoch! Schon komisch: haben die Sierra wegen des Schnees im Juni geflippt und müssen nun die letzten 125 km doch noch durch den Schnee! Alles in allem war es aber machbar, es gab kaum knifflige Passagen. Aufpassen musste man natürlich trotzdem: Rutschgefahr! Zur Not hätten wir unsere Microspikes benutzt. Allerdings waren die Temperaturen in der Nacht nicht von schlechten Eltern: bis Minus 12 Grad, da fror sogar das Wasser im Zelt! War schon hart am Morgen aus dem Zelt zu kommen. Glücklicherweise wurde es von Tag zu Tag wärmer ... auch in der Nacht.

Die Pässe waren nicht mehr ganz so lang und so hoch (bis 2800m), es ging aber hin und her, es blieb super anstrengend. Es wurde auch zunehmend einsamer auf dem Trail, wir trafen immer weniger Hiker, da die über ca. 200 km deckungsgleiche Streckenführung von PCT und John Muir Trail ein Ende hatte und uns die zahlreichen JMT-Hiker nicht mehr entgegen kamen und noch weniger PCT-Hiker. Einige Ausnahmen gab es aber: No Poles, Swiss Miss und Stevie Wonder trafen wir auf dem Trail - sie liefen nach Süden. Bobby-o, der auch in Kennedy Meadows fest saß und wie wir northbound nach Ashland lief, hatte das Resort mit einem früheren Shuttle verlassen. Er war uns daher auf dem Trail voraus. Es saßen in Kennedy Meadows übrigens noch einige weitere Hiker fest, die southbound unterwegs waren und mit denen wir, inklusive Bobby-o, einen wunderbaren Abend verbrachten.


Es gab auch tatsächlich ein kleines Trailmagic in der Sierra: am Trailhead zum Carson Pass trafen wir am 4. Oktober auf den 79-jährigen Bob, ein pensionierter Polizist aus Reno, der noch im letzten Jahr den John Muir Trail gelaufen ist! Der John Muir Trail ist ungefähr 340 km lang und einer der ältesten und beliebtesten Trails in den USA. Bob, der einen Tagesausflug hinter sich hatte und in seinem modernen Wohnmobil auf seine Frau und Freunde, die langsamer als er waren, wartete, gab uns spontan Peanutbutter, Bars und Kekse, die wir sogleich verspeisten. Normalerweise sei sein Wohnmobil voller Food, er hätte uns gerne mehr gegeben. Da aber das Fahrzeug vor einigen Tagen in der Werkstatt war, hätte er alles ausgeräumt. Wir waren mit dem was er gab überglücklich! Bobs Trailname: Lawman

Auch Howard und Jim, zwei pensionierte Lehrer, die wir kurz vorher auf dem Trail trafen, schenkten uns am Parkplatz unsere Lieblingsschokolade: Dark Cherry Almond.


Haben den Trailhead an der Highway 50 am 5. Oktober, planmäßig nach 5 Tagen, erreicht und bekamen innerhalb von 10 Minuten von Gail eine Mitfahrgelegenheit ins ca. 19 km entfernte South Lake Tahoe. Als Gail von uns erfuhr, dass wir ins Hostel wollten, bot sie uns spontan an, in ihrem Haus zu übernachten! Das war schon sehr ungewöhnlich für amerikanische Verhältnisse, aber auch in Deutschland hätte nicht jeder ihm Unbekannte nach 10 Minuten zu sich nach Hause eingeladen. Einfach super! Konnten dort am Abend gleich auch noch unsere Wäsche machen.

Gail hat uns dann mittags auch noch ins indische Restaurant Nikkis Chaat Cafe gefahren, welches in der App Guthook von Hikern highly recommended wurde (All you can eat buffet). Das Essen dort war vorzüglich und eine willkommene Abwechslung zu den ewigen Burgern. Den Chef Bhu(pendra) interviewt, der kam 1992 mit 32 Dollar in der Tasche in die USA, um seinen Töchtern ein Studium zu ermöglichen. Er hat hart gearbeitet, erst in der Laundry eines Casinos (er arbeitete in Indien im Laundry-Familienbetrieb), dann dort als Pit Boss die Spieltische überwacht, dann sein eigenes Restaurant aufgemacht. Heute ist er stolz, was er daraus gemacht hat: 15 Jahre lang war er Eigentümer eines sehr gut etablierten Restaurants in South Lake Tahoe, das sich in nur 8 Jahren bis 2013 in der Größe verdoppelt hatte. Gerade hat er es verkauft und hilft bei den neuen Eigentümern noch ab und an aus. Das wäre in Indien nicht möglich gewesen, in den USA bekäme jeder, der hart arbeitet, die Gelegenheit, was aus sich zu machen. In Indien zähle mehr die Herkunft und die Familie. Das würde sich aber heute langsam verändern. Er hat das Restaurant übrigens nach seiner jüngeren Tochter benannt, weil ihm ein Astrologe dann Erfolg vorausgesagt hatte.


Am Strand in Liegen den Sonnenuntergang genossen und anschließend in der nahe gelegenen Wine Bar eingekehrt. Dort den Trompeter und Pianisten Kris kennengelernt, der dort zum guten Tropfen Klavier spielte. Hat früher Trompete für u.a. Frank Sinatra gespielt! Hat uns zum morgendlichen Gottesdienst in der Hope Lutheran Church eingeladen (10 Uhr), den er am Flügel begleiten wird. Wollen eigentlich morgen Mittag wieder zum Trailhead zurück (Clarice, die Tochter einer Freundin (sie ist Trailangel) von Gail, wird uns freundlicherweise zurückfahren). Mal sehen, ob das klappt: wollen noch in Bert's Cafe frühstücken gehen, Resupply'en, Blog schreiben und einige andere Dinge erledigen.


Weiteres aus South Lake Tahoe im nächsten Blog 😁.


Die nachfolgenden Bilder sind leider zeitlich etwas durcheinander ...