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81) 2. Juni: Zu wenig Wasser, aber dafür 1.000 km!

2. Juni, Tag 65, km 1.030

Distanz zu Kennedy Meadows, dem Tor zur Sierra:

100 km


Nach Cowboycamping unter einem Joshuatree, sind wir gegen 9:15 Uhr losgelaufen. Captain Jack, der Hiker aus Wisconsin, dem wir schon die letzten Tage begegnet waren, überholte uns. Nach einem Blick auf unsere Guthook-App wurde uns klarer als am Tag zuvor 😅, dass nicht so schnell mit einer Wasserquelle zu rechnen ist. Haben uns deshalb eine Tasse Kaffee geteilt und auf ein Müsli verzichtet - um eben Wasser zu sparen. Uns fiel aber ein, dass uns Mike-Downhill einige Tage zuvor eine SMS geschrieben hatte und einen Watercache bei Kilometer 1.028, am Bird Spring Pass, erwähnte. Mike war die Strecke 3 Tage vor uns gelaufen. Wir mussten also 18 km bis dorthin schaffen und hoffen, dass der Cache dann noch genügend Wasser zu bieten hatte. Das war nicht so schwierig, da die Strecke größtenteils bergab verlief. Somehow hatten wir das wohl verinnerlicht 😃. Bei der 1000 km-Marke, die jemand aus Ästen gelegt hatte, machten wir Fotos und interviewten uns selbst über das, was das für uns bedeutet. Hier trafen wir die Bonner, deren Namen wir aber erst später erfuhren. Sabine lief dann irgendwann vor und traf wieder auf Captain Jack. Olli schloss auf und ein Interview folgte mit dem bald 25 Jahre alten Captain Jack (benannt nach dem Aufdruck "Pirates of the Caribian" auf seiner Kappe). Er möchte nach dem Trail definitiv seinen Medienkonsum verringern und selbst kreativer werden ...


Nach einer Essenspause im Schatten eines Joshustrees und umgeben von auch frischen Kuhfladen (von Kühen ist den ganzen Tag allerdings keine Spur), ist dann Olli vorausgelaufen und konnte nach 8 weiteren Kilometern glücklicherweise feststellen, dass es genügend Wasser am Bird Spring Pass gab. War für ihn allerdings ein ungutes Gefühl, die letzten 3 km ohne Wasser gegangen zu sein. Sabine kam eine Viertelstunde später an, auch sie ohne einen Tropfen Wasser. Die Wasservorräte wurden nun üppig gefüllt und eine Essenspause eingelegt. Dunkle Wolken machten sich breit. Wir interviewten beiden Bonner, Katharina, 29,  Ärztin und seit zweieinhalb Jahren im Job. Für den Trail hat sie aber gekündigt und Flo, 30, Immunologie.

Es war ein interessantes Gespräch u.a. über die Arbeitsbedingungen als Ärztin im Krankenhaus ...

Filipe traf ein. Sein 21 Jahre alter Kumpel, Brazilian Storm, der durch Filipe zum PCT gekommen war, war ihm schon mindestens einen Tag voraus, da vor über 24 Stunden an uns vorbei gezogen. Filipe legte sich sofort neben die überdimensional großen Flaschen des Watercache und ruhte sich aus, da seine Achillessehnen überbeansprucht waren. Er sah neben den großen Flaschen aus wie die männliche Version von Alice im Wunderland. Captain Jack schrieb und malte währenddessen ins Trailregister ...


Kurz bevor wir den 6-km-Anstieg von 450 Metern starten wollten, lief doch tatsächlich Vanessa aus Osnabrück an uns vorbei, die wir bei Scout und Frodo kennengelernt und bislang auf dem Trail nicht gesehen hatten (sie war einen Tag nach uns gestartet)! Natürlich fand ein reger Austausch statt. Vanessa ist recht schnell unterwegs, hatte den Trail zehn Tage wegen eines Las Vegas-Intermezzos verlassen und war seit heute wieder on Trail. Während wir danach den Aufstieg begannen, wollte Vanessa, inzwischen Little Bee genannt, sich noch überlegen, bei den Wetteraussichten überhaupt hoch zu gehen. Fast oben auf dem Gipfel, der Regen war glücklicherweise ausgeblieben, machten wir eine kurze Snackpause bei tollem Ausblick. Dort traf wenig später Filipe, der "verrückte" Brasilianer, ein, mit dem wir nicht mehr gerechnet hatten. Er war nicht zu überhören, vor Hikingenthusiasmus nur so sprühhend. Dann kam auch Vanessa, die sich doch getraut hatte. Es folgten die restlichen 1,2 km bis zum Gipfel, die wir nach der Interviewpause mit Filipe total beschwingt erliefen. Danach ging's nur noch bergab, nach insgesamt 32 km war Schluss. Cowboycamping im Wald.