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125) Olli, 22. Oktober: Wieder daheim

Nach 206 Tagen und 3535 km bin ich wieder in meiner Heimat Deutschland angekommen. Wenn man allerdings fast 7 Monate auf dem Trail und in der Natur gelebt hat, fragt man sich schon, was eigentlich Heimat ist: Das laute und geschäftige Deutschland mit seinen komplexen Anforderungen - wo quasi alles geht und oft genug machen wir uns davon abhängig - oder die Stille, Einfachheit und Schönheit unserer Natur?

Heimat kann vielfältig und überall sein. Das haben wir hier festgestellt! Auf dem Trail, wo alles reduziert ist (Essen, Wasser, Strom) und auch drum herum in den Orten, die man zum Auftanken streift, lernt man Menschen sehr schnell anders kennen, oft geht es schnell tiefer, gegenseitiges Abschätzen, Bewerten findet selten statt. Auch das war Heimat. Hier in den USA.

 

In heutiger Zeit, wo das Meinungsbild vieler vor allem durch die digitalen Medien geprägt und oftmals unreflektiert nachgeplappert wird, haben wir ein Amerika kennengelernt, das sich von einer anderen Seite zeigt: Spontane Offenheit und Hilfsbereitschaft, wo wir Deutschen uns sicher eine Scheibe abschneiden könnten! Alleine deswegen hat sich die Reise schon gelohnt: Wegen der Begegnungen, die bleiben. Im Gedächtnis und darüber hinaus auch durch in Kontakt bleiben mit einigen und hoffentlich für andere auch bald im entstehenden Film. Ein Dokumentarfilm nicht nur über Abenteuerlust, sondern vor allem über das Leben, über Träume und den Versuch, sie zu leben. Ich wünsche auf jeden allen Lesern des Blogs ein Stückchen PCT - irgendwann im Leben.

 

Gerne hätte ich den Pacific Crest Trail zu Ende gelaufen, aber die Zeit hat für mich nicht mehr gereicht. Unter Ausreizen jeglichen Spielraums hätte ich noch 10 Tage weiter laufen können. Die Rückkehr ins reguläre Leben wäre dann quasi über Nacht, ohne Übergang gewesen. Das habe ich mir nicht gesund vorgestellt, wenn man aus der Ruhe der Natur kommt. Und auch mit diesen ca. 300 km mehr hätte ich Ashland nicht erreicht. Außerdem hat mein Körper zuletzt rebelliert: Füße und das rechte Knie waren des Laufens müde. Umso mehr freue ich mich, im nächsten Jahr die fehlenden Kilometer nachzuholen. Die Sabine dann schon längst hinter sich hat. Als Thru-Hiker fühle ich mich trotzdem schon längst ...

 

Ob und was sich letztlich durch den PCT ändern wird, werde ich sehen. Das, was ich und wir erlebt haben, bleibt!